Wie aus Steinabfall neuer Baustoff wird
Steinstaub und Bruch unterschiedlicher Gesteinsarten können mit einer an der ETH Zürich entwickelten Technologie zu zertifiziertem Stein verarbeitet werden – ohne Zement, Kunstharz oder Brennprozess. Das ETH-Spin-off 3DSP bringt das Baumaterial in die Praxis.
Beim Abbau von Naturstein bleibt ein grosser Teil des Materials als Staub und Bruch zurück. Diese Reste galten bisher als Abfall und fanden keine wirtschaftliche Verwendung. Die Professur für Digital Building Technologies der ETH Zürich hat ein Verfahren entwickelt, das genau diesen Abfall zum Ausgangsmaterial macht.
Bei der Technologie namens Geopolymer Binder Jetting (GeoBJT) wird eine alkalische Flüssigkeit schichtweise auf ein Pulverbett aus Steinstaub aufgetragen. Dabei löst sie eine mineralische Reaktion aus. Das Ergebnis ist ein künstlicher Stein, der ohne Zement, ohne Kunstharz und ohne Brennprozess eine Druckfestigkeiten von über 30 MPa erreicht. Das Produkt wurde nach Natursteinstandards zertifiziert.
Was das Verfahren auszeichnet: Es ist nicht auf einen einzigen aufbereiteten Rohstoff angewiesen. Marmorstaub, Granitbruch, Recyclingbeton: Das System kann jede Art von Steinmaterial verwenden, indem es eine Kalibrierung vornimmt. Der ETH Spin-off 3DSP, der sich gerade in Gründung befindet, wird die Technologie in ein marktreifes Produkt umzusetzen.
Am Stand zeigen wir Probewürfel aus verschiedenen Mineralien nebeneinander – sichtbar und anfassbar – sowie fertige Bauteile aus realen Projekten. Von Venedig bis London: Was als Forschung begann, steht heute in der gebauten Architektur.

