Was passiert, wenn wir nur noch mit dem Navi navigieren?
Wie wirkt es sich auf unsere Orientierungsfähigkeiten aus, wenn wir uns ständig nur noch auf Navigationssysteme verlassen? Was bedeutet dies für unser Verständnis des geographischen Raums? Testen Sie selbst, was passiert, wenn Sie im Fahrsimulator durch eine virtuelle Stadt fahren.
Wenn man sich in einer Stadt orientiert – sei es zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Auto – sucht man nicht nur den Weg. Man lernt dabei auch die Struktur dieses Raums kennen und speichert Orientierungspunkte, Landmarken, Entfernungen und Richtungen in einer sogenannten kognitiven Karte.
Die Forschungsgruppe «Geographische Informationsvisualisierung und -analyse» arbeitet an der Schnittstelle zwischen Geografie, Kognitionswissenschaft und menschlichem Verhalten. Eine unserer zentralen Forschungsfragen lautet: Wie bilden Menschen mentale Repräsentationen der Räume, durch die sie sich bewegen? Oder ganz konkret: Wie gut können wir uns ohne Google Maps eigentlich noch orientieren?
Zu verstehen, wie der Lernprozess zum geographischen Raumverständnis abläuft, was dabei hilft und wie sich Stress, Ablenkung oder Reizüberflutung darauf auswirken, hat direkte Auswirkungen auf die Gestaltung von Städten und Navigationstechnologien.
Wir untersuchen dies unter kontrollierten Bedingungen in Experimenten und nutzen dafür virtuelle Umgebungen, die die Fortbewegung (z.B. gehen, Velo fahren, Auto fahren) in der Realität simulieren. In dieser so genannt virtuellen Realität können wir genau kontrollieren, was die Teilnehmenden erleben, die Bedingungen bei verschiedenen Probanden wiederholen und ihre physiologischen und verhaltensbezogenen Reaktionen messen – und das alles, ohne sie gefährlichem Verkehr oder schlechtem Wetter auszusetzen.
Das Navigieren in einer virtuellen Stadt, die wir auf drei Bildschirme projizieren, simulieren wir mit einem Fahrsimulator mit Lenkrad, Gaspedal und Bremspedal.
Und schliesslich können wir mit einem Photoplethysmographie-Sensor die Veränderung des Herzschlags messen. Wir nutzen die Herzfrequenz als physiologischen Indikator für Stress und kognitive Belastung: Wenn die Navigation anspruchsvoller wird, erwarten wir einen Anstieg der Herzfrequenz. Probieren Sie den Fahrsimulator an der Scientifica aus und erfahren Sie, was in ihrem Körper und mit ihrem Verhalten passiert.